GHB, Crystal Meth, Ketamin: Chemsex verbindet Substanzkonsum mit Sex, oft in langen Sessions mit mehreren Partnern. Ein sachlicher Überblick über Substanzen, Risiken, Safer-Use-Grundsätze und Beratungsangebote wie das Aidshilfe-Projekt quapsss.
Chemsex ist in der schwulen Szene kein Randthema, über das keiner spricht – aber oft eines, über das nur hinter vorgehaltener Hand geredet wird. Dabei hilft gerade bei diesem Thema Offenheit mehr als Verschweigen: Wer die Substanzen, ihre Wirkung und ihre Risiken kennt, kann sich selbst und andere besser schützen.
Was Chemsex bedeutet
Chemsex bezeichnet Sex unter dem Einfluss bestimmter Substanzen, meist in längeren Sessions mit mehreren Partnern. Am häufigsten im Spiel sind GHB oder GBL (in der Szene „G“ genannt), Crystal Meth, Kokain, Ketamin und Poppers – oft auch in Kombination. Der Begriff stammt ursprünglich aus der schwulen Szene, wo sich in den vergangenen Jahren eigene Beratungsangebote und Studien dazu entwickelt haben, unter anderem von der Deutschen Aidshilfe.
Welche Wirkung die einzelnen Substanzen haben
Die Substanzen unterscheiden sich deutlich in Wirkung und Risiko. GHB/GBL wirkt entspannend und enthemmend, hat aber eine sehr schmale Marge zwischen der gewünschten Wirkung und einer Überdosierung – die Grenze zwischen „high“ und bewusstlos kann bei diesen Substanzen extrem knapp sein. Crystal Meth macht wach und ausdauernd, belastet dabei aber Herz und Kreislauf stark und sorgt für einen entsprechend harten Absturz danach. Kokain wirkt selbstbewusstseinssteigernd, verleitet aber zum ständigen Nachlegen, was die Kreislaufbelastung zusätzlich erhöht. Ketamin macht schmerzunempfindlich und kann dadurch dazu führen, dass Verletzungen gar nicht bemerkt werden. Poppers schließlich entspannen die Muskulatur, sind aber in Kombination mit Viagra oder anderen PDE-5-Hemmern lebensgefährlich, weil beide Substanzen gemeinsam den Blutdruck gefährlich absenken können.
Die größten Risiken
Neben den körperlichen Risiken einzelner Substanzen kommt bei Chemsex ein weiterer Faktor dazu: Mischkonsum. Wer mehrere Substanzen gleichzeitig oder kurz hintereinander nimmt, kann die Wirkung kaum noch einschätzen, das Risiko einer Überdosierung steigt deutlich. Dazu kommen psychische Risiken wie Angstzustände, Paranoia oder ein schwerer Absturz nach der Session, sowie ein höheres Risiko für die Übertragung von HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen, wenn unter Substanzeinfluss auf Schutz verzichtet wird. Nicht zuletzt kann Substanzeinfluss die Fähigkeit einschränken, eigene Grenzen zu erkennen oder die Grenzen anderer zu respektieren – Konsens ist unter Drogeneinfluss schwerer einzuschätzen, für beide Seiten.
Was Safer Use bei Chemsex bedeutet
Wer sich für Chemsex entscheidet, kann das Risiko senken, auch wenn es sich nie vollständig ausschließen lässt. Dazu gehört, vor dem Konsum eigene Grenzen und ein Stoppwort festzulegen, so wenig wie möglich zu nehmen statt so viel wie möglich, Dosierhilfen und einen Timer zu nutzen, um Nachlegen kontrolliert zu halten, und Substanzen möglichst nicht zu mischen – insbesondere G nicht zusammen mit Alkohol oder anderen dämpfenden Mitteln. Wichtig ist außerdem, in vertrauter Gesellschaft zu bleiben und für den Notfall vorbereitet zu sein: Bei Bewusstlosigkeit sofort die stabile Seitenlage anwenden, den Notruf 112 wählen und den Einsatzkräften mitteilen, welche Substanzen im Spiel waren – das beschleunigt die richtige Behandlung erheblich.
Wo es Beratung und Hilfe gibt
Wer merkt, dass Chemsex zur Belastung wird oder einfach mehr über die eigenen Konsummuster wissen möchte, muss damit nicht allein bleiben. Die Deutsche Aidshilfe bietet mit dem Projekt „quapsss“ unter anderem Gruppenangebote für schwule und bisexuelle Männer, die ihren Chemsex-Konsum reflektieren wollen; ähnliche Angebote gibt es inzwischen bei lokalen Aidshilfen in mehreren Städten, etwa in Berlin, Köln, München und Nürnberg. Spezialisierte Chemsex-Sprechstunden verbinden ärztliche und psychologische Unterstützung mit STI-Tests und PrEP- oder PEP-Beratung. Für ein niedrigschwelliges erstes Gespräch eignet sich auch der GayHealthChat der Deutschen Aidshilfe.
Häufige Fragen
Zuletzt geprüft: 18. August 2026