Poppers gehören für viele selbstverständlich zur Partynacht, werden aber oft sorglos gehandhabt. Was die Substanz im Körper auslöst, warum die Rechtslage in Deutschland bewusst vage bleibt und weshalb die Kombination mit Potenzmitteln lebensgefährlich ist.
Poppers: Wirkung, Risiken und die unklare Rechtslage in Deutschland
Kaum eine Substanz gehört so selbstverständlich zur Partyszene wie Poppers, und kaum eine wird so sorglos gehandhabt. Das kleine braune Fläschchen liegt in vielen Clubs griffbereit in der Tasche, dabei kann die Wirkung in Kombination mit bestimmten Medikamenten lebensgefährlich werden. Wer Poppers nutzt oder darüber nachdenkt, sollte die Fakten kennen, nicht nur das Partygerücht.
Was in Poppers steckt und wie sie wirken
Poppers sind flüssige Alkylnitrite, meist Amyl-, Butyl- oder Isopropylnitrit, die durch die Nase inhaliert werden. Die Wirkung setzt nach wenigen Sekunden ein und hält meist nur ein bis zwei Minuten an. In dieser Zeit weiten sich die Blutgefäße, die glatte Muskulatur entspannt sich, das Herz schlägt schneller, und viele Nutzerinnen und Nutzer berichten von einem kurzen Wärmegefühl und einer enthemmenden, sexuell stimulierenden Wirkung. Genau dieser gefäßerweiternde Effekt macht Poppers in der schwulen Partyszene seit Jahrzehnten beliebt, vor allem im Zusammenhang mit Sex.
Zwischen den einzelnen Alkylnitriten gibt es Unterschiede, die in der Praxis kaum jemand kennt. Isopropylnitrit, das in vielen günstigen Fläschchen aus dem Onlinehandel steckt, wird in mehreren Studien ein höheres Risiko für Netzhautschäden zugeschrieben als klassischem Amylnitrit. Welches Nitrit tatsächlich in einer Flasche enthalten ist, lässt sich von außen selten zweifelsfrei erkennen, da die Etiketten meist nur „Raumduft“ oder eine Markenbezeichnung nennen.
Eine Rechtslage, die absichtlich unklar bleibt
Besitz und Konsum von Poppers sind in Deutschland nicht strafbar. Kompliziert wird es beim Verkauf: Nitrithaltige Präparate gelten grundsätzlich als verschreibungspflichtige Arzneimittel, weshalb Poppers im Handel so gut wie nie offen als Rauschmittel angeboten werden. Stattdessen verkaufen Shops sie als Raumduft oder Ledereiniger, ein Etikett, das mit dem tatsächlichen Gebrauch wenig zu tun hat.
Ein Urteil des Europäischen Gerichtshofs aus dem Jahr 2014 hat die Lage zusätzlich verkompliziert. Die Richter entschieden, dass eine Substanz nicht automatisch als Arzneimittel gilt, nur weil sie eine physiologische Wirkung entfaltet, wenn sie keinen gesundheitlichen Nutzen bietet. Was das konkret für den Verkauf von Poppers in Deutschland bedeutet, wird von Fachleuten unterschiedlich ausgelegt, und eine einheitliche, abschließend geklärte Praxis gibt es bislang nicht. Für Konsumierende heißt das in der Praxis: Kaufen und besitzen ist meist kein Problem, verlassen sollte man sich auf die Aufmachung als Raumduft aber nicht als rechtliche Garantie. Der Verkauf ist außerdem auf Erwachsene ab 18 Jahren beschränkt.
Die unterschätzten Risiken
So kurz die Wirkung ist, so ernst können die Nebenwirkungen sein. Der plötzliche Blutdruckabfall kann zu Schwindel, Kopfschmerzen, Ohnmacht oder in seltenen Fällen zu einem Schlaganfall führen. Wird die Flüssigkeit statt inhaliert versehentlich getrunken, droht eine Methämoglobinämie: Die Nitrite verändern den roten Blutfarbstoff so, dass er keinen Sauerstoff mehr transportieren kann, ein lebensbedrohlicher Notfall.
Auch die Augen können Schaden nehmen. Dokumentiert sind Fälle von Netzhautschäden im Bereich der Makula, die sich durch verschwommenes Sehen oder einen bleibenden hellen Fleck im zentralen Sichtfeld bemerkbar machen. Wer nach dem Konsum ungewöhnliche Sehstörungen bemerkt, sollte das ernst nehmen und ärztlichen Rat suchen.
Poppers und PDE5-Hemmer sind die gefährlichste Kombination
Die mit Abstand größte Gefahr entsteht durch die Kombination mit Potenzmitteln wie Viagra, Cialis oder Levitra. Beide Substanzgruppen senken den Blutdruck, und zusammen kann dieser Effekt sich so stark verstärken, dass es zu einem lebensbedrohlichen Kreislaufkollaps kommt. Diese Wechselwirkung ist medizinisch gut belegt und weltweit für Notfälle verantwortlich. Wer Potenzmittel nimmt, sollte deshalb konsequent auf Poppers verzichten, und umgekehrt.
Sicherer feiern, wenn man sich für Poppers entscheidet
Ein paar einfache Regeln senken das Risiko spürbar. Poppers nie trinken, immer nur inhalieren. Niemals gleichzeitig mit PDE5-Hemmern verwenden, auch nicht Stunden später, wenn beide Wirkstoffe noch im Körper sind. In gut belüfteten Räumen konsumieren und von offenen Flammen fernhalten, da Alkylnitrite leicht entzündlich sind. Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen, niedrigem Blutdruck oder grünem Star sollten ganz auf Poppers verzichten, und im Zweifel lohnt sich vorher das Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Auch die Fläschchen selbst verdienen etwas Aufmerksamkeit. Einmal geöffnet, zersetzt sich der Inhalt an der Luft allmählich, wird schwächer und reizt gleichzeitig die Nasenschleimhaut stärker. Ein Fläschchen, das schon Monate offen in der Tasche lag, bringt kaum noch die gewünschte Wirkung, dafür aber ein höheres Reizrisiko. Wer feiern geht, tut sich selbst und anderen einen Gefallen, wenn er das Fläschchen nicht ungefragt herumreicht: Kontakt der Öffnung mit Haut oder Schleimhaut anderer Personen ist ein unnötiges Hygienerisiko.
Die Datenlage zu Poppers verändert sich kaum, die rechtliche Einordnung dagegen bleibt in Bewegung. Wer unsicher ist, findet bei Drogenberatungsstellen und beim Drogenlexikon der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung eine neutrale, aktuelle Einschätzung.