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Kölle aloha: Wie die Rosa Sitzung den Karneval queer machte

1994/95 feierten Schwule und Lesben in Köln ihre eigene Karnevalssitzung. Wie die Rosa Sitzung entstand, was sie anders machte und was aus ihr wurde.
06.11.2026 · 4 Min Lesezeit

Zuletzt geprüft: 06.11.2026

Bild: Photo by Ylanite Koppens on Pexels (Quelle) · Pexels License

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„Kölle aloha“ statt „Kölle alaaf“: Wer das 1995 im Café-Club Gloria in Köln hörte, saß in einer Sitzung, die es bis dahin nicht gegeben hatte. Die Rosa Sitzung machte aus dem Karneval eine Veranstaltung von und für Schwule und Lesben. Dieser Text erzählt, wie sie entstand, was sie anders machte und was aus ihr wurde.

Wie die Rosa Sitzung anfing

Die Rosa Sitzung startete im Herbst 1994: Kölner Prominente führten eine satirische Karnevalsshow auf. Den neuen Ruf „Aloha“ datiert die Beschreibung der Fernsehserie auf das Jahr 1995 (fernsehserien.de). Eine ausführliche Schilderung liefert die taz vom 11. Februar 1995 (taz). Danach fand die Sitzung am Donnerstagabend vor dem Erscheinen des Berichts statt. Sie dauerte über fünf Stunden, der Café-Club Gloria war laut taz fein herausgeputzt und rosa geschmückt. Die Zahl der Gäste nennt der Artikel nicht.

Hella von Sinnen leitete die Sitzung als Sitzungspräsidentin. Statt des üblichen Elferrats saß ein „Sixpack“ aus schwulen und lesbischen Gästen neben ihr. Organisiert hatte den Abend Norbert Sorge, ein „Immi“: So nennt man in Köln Menschen, die nicht dort geboren wurden. Er stammte aus dem schwäbischen Raum. Sein Satz, den die taz zitiert: „Es gibt eine latente Homosexualität im Karneval.“ Er wollte das Thema offen auf die Bühne bringen.

Was anders war

Die taz beschreibt einige Änderungen am gewohnten Ablauf; der Elferrat fehlte ganz:

  • Der Gruß „Kölle alaaf“ wurde zu „Kölle aloha“.
  • Der übliche Klatschmarsch wurde durch eine Hymne ohne Klatschen ersetzt.
  • Alice Schwarzer saß als Gast am reservierten VIP-Tisch.
  • Auf der Bühne standen unter anderem Suleika und die Waschlappen, die Pinkpomps, die Höhner und Marie-Luise Nikuta.

Hella von Sinnen sagte laut taz: „Erotik ist ja gern unser Thema!“ Sie rechnete damit, dass die Öffentlichkeit mit diskriminierenden Witzen antworten würde. Heterosexuelle Gäste waren laut taz nur in „homöopathischen Dosen“ da. Zum Vergleich nennt der Artikel einen Düsseldorfer Prinzen, der zurücktreten musste, nachdem seine Homosexualität bekannt geworden war. Der Karneval macht, so die taz, oft billige Witze auf Kosten von Schwulen und Lesben.

Die Kritik fiel gemischt aus. Der Boulevard schrieb, das Kölner Stadtwappen zierten nun „Pimmelchen und Brüste“; die taz hielt das für eine männlich-heterosexuelle Sicht. Sie bemängelte zugleich, einige Auftritte kölscher Künstler hätten sich dem Publikum angebiedert, und es habe an politischem Inhalt gefehlt.

Vom Fernsehen zur Röschen Sitzung

Ab 1996 übertrug der WDR die Sitzung, und damit wurde sie über Nordrhein-Westfalen hinaus bekannt. Nach zehn Jahren endete sie, so die Beschreibung, „vorläufig“.

Im Herbst 2004 fanden sich Mitglieder des Ensembles neu zusammen. Im Winter startete die Röschen Sitzung, kleiner, in einem intimeren Haus und, so die Beschreibung, mit schärferem Humor als die Rosa Sitzung. Der WDR sendete am 26. Februar 2014 eine Jubiläumsfolge: „20 Jahre Rosa Karneval in Köln“, mit Ausschnitten aus der Röschen Sitzung 2014 und einem Best-of der Jahre 1996 bis 2004.

Was sich belegen lässt und was nicht

Die Quellen dieses Textes sind ein zeitnaher Zeitungsbericht von 1995 und die Beschreibung einer WDR-Jubiläumssendung auf fernsehserien.de. Sie ergänzen sich, widersprechen sich aber im Detail: Die Fernsehbeschreibung nennt den Herbst 1994 als Start, der taz-Bericht erschien im Februar 1995 über eine Sitzung der damaligen Saison. Beides passt zusammen, wenn man die Sitzungszeit von Herbst bis Fasching als eine Saison versteht.

Nicht belegt sind für diesen Text die genaue Zahl der Besucherinnen und Besucher, die Gründungsgeschichte der Garde der Rosa Sitzung und die Frage, ob queere Gruppen heute bei den großen Karnevalsumzügen mitgehen. Wer darüber schreiben will, braucht dafür eigene Quellen, etwa die Karnevalsgesellschaften selbst oder das Stadtarchiv Köln.

Wenn du heute mitfeiern willst

Die folgenden Hinweise sind Vorschläge der Redaktion und nicht aus den genannten Quellen belegt:

  • Frag bei den Kölner Karnevalsgesellschaften nach, ob sie queere Sitzungen anbieten, denn Programme und Termine ändern sich jedes Jahr.
  • Karten für Sitzungen sind oft früh vergriffen, plane also Wochen im Voraus.
  • Prüfe vor dem Kartenkauf die Webseite oder die Kanäle des Veranstalters, ob die Sitzung wirklich stattfindet.

Was bleibt

Die Rosa Sitzung ist ein Stück Kölner Szenegeschichte: Aus einer satirischen Show im Herbst 1994 wurden ein Fernsehformat, ein Nachfolger und ein Jubiläum. Sie zeigt, dass Schwule und Lesben im Karneval nicht Gegenstand der Witze bleiben mussten, sondern die Bühne selbst besetzen konnten.

Bild: Foto von Ylanite Koppens auf Pexels.

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Häufige Fragen

Was ist die Rosa Sitzung?

Eine Karnevalssitzung von und für Schwule und Lesben in Köln, die im Herbst 1994 startete. Ab 1996 übertrug der WDR sie im Fernsehen.

Wer leitete die erste Rosa Sitzung?

Laut taz Hella von Sinnen als Sitzungspräsidentin. Organisiert hatte sie Norbert Sorge.

Was ist die Röschen Sitzung?

Der Nachfolger der Rosa Sitzung. Sie startete im Winter 2004, kleiner, in einem intimeren Haus und mit schärferem Humor.

Was bedeutet Kölle aloha?

Bei der Rosa Sitzung ersetzte der Gruß Kölle aloha das übliche Kölle alaaf.

Gibt es heute noch queere Karnevalssitzungen in Köln?

Das ist aus den genutzten Quellen nicht belegt. Frag bei den Karnevalsgesellschaften nach aktuellen Terminen.

Quellen

  1. taz.de · !1521060
  2. fernsehserien.de · 13-20-jahre-rosa-karneval-in-koeln-20-jahre-rosa-sitzung-10-...
Rosa Sitzung Karneval Köln Hella von Sinnen Röschen Sitzung Queere Szene Köln
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